«Wie ist es für dich, auf deine Behinderung
angesprochen zu werden?» Das ist die erste Frage, die ihr uns in unserem Q&A «Frag einfach – Begegnung ohne Barrieren» gestellt habt. Unsere RoB-Community gibt darauf nun die Antwort:
Linde Rexhepallari
Ich habe eine starke Sehbehinderung – bei flüchtigen Begegnungen unterwegs schätze ich es, wenn mir Hilfe angeboten wird. Wenn ich jedoch ungefragt angefasst, gestossen oder gezogen werde, empfinde ich das als grenzüberschreitend.
Spekulationen darüber, dass ich meine Behinderung vortäuschen könnte, sind für mich unterste Schublade.
Die hintergründige Geschichte meiner Sehbehinderung erzähle ich gerne bei ehrlichem Interesse – mag es, wenn’s nicht das erste Gesprächsthema sein muss.
Gina Landtwing
Ich habe eine Essstörung mit physischen Auswirkungen sowie visuellen Attributen. Diese lösen bei Mitmenschen teils ungefragt verbale Reaktionen aus. Oftmals sind die Bemerkungen unangenehm, was meinen Selbstwert beeinflusst.
Gerne beantworte ich Fragen zu meiner Behinderung offen und ehrlich, soweit es geht. Dafür braucht es auch die Offenheit von meinem Gegenüber. Ich begrüsse es, wenn ihr auf mich zukommt und fragt anstatt hinter meinem Rücken zu sprechen oder mich anstarrt. Danke!
Valentin Bunjaku
Du denkst, ich lebe mit Kinderlähmung? Oder mit der Glasknochenkrankheit? Beides falsch.
Es gibt so viel mehr auf dieser Welt, als das Bekannte. Wenn du mich siehst und dich fragst, was ich wohl habe, weshalb ich im Rollstuhl bin, dann komm auf mich zu. Ich gebe dir gern Bescheid, je nach Laune wird es entweder mehr oder weniger sein.
Und wenn du Hufgeräusche hörst, denk das nächste Mal nicht zuerst, dass es ein Pferd
ist…. Es könnte genauso gut ein Zebra sein.
Unser Q&A erklärt
Viele Fragen zu Behinderungen bleiben ungestellt. Aus Angst vor Fehlern oder peinlichen Situationen. Mit unserem Q&A-Format «Frag einfach – Begegnung ohne Barrieren» schaffen wir den Raum dafür. Antworten bekommst du direkt aus der RoB-Community. Frag einfach und hilf mit, Berührungsängste abzubauen!
Brigitte Tschanz
Ich bin autistisch, was man mir nicht ansieht. Wenn ich im ÖV den Sunflowerlanyard trage, möchte ich in Ruhe gelassen und nicht angesprochen werden, weil ich überreizt bin.
Ich finde es hingegen schön, wenn die Menschen in meinem privaten Umfeld mich direkt ansprechen, wenn sie eine Frage oder echtes Interesse an meiner Erfahrungswelt haben. Dann spreche ich gerne über meine Struggles und Wins im Alltag und mache
meine Behinderung so verständlicher.
Nicole Haas
Meine Behinderungen sind nicht sichtbar. Damit Aussenstehende mich darauf ansprechen können, müssen sie erst davon erfahren. Viele fragen auf eine gute und respektvolle Art. Besonders verletzend ist es jedoch, wenn Menschen, die mich nicht so gut kennen, sich herablassend äussern – zum Beispiel, wenn sie ein Leben mit Behinderungen als nicht lebenswert bezeichnen. Solche Aussagen treffen mich tief. Ich wünsche mir Mitkämpfer:innen für die Inklusion statt einer generellen Abwertung unseres Lebens.
Tanja Lutz
Ich habe ADHS und bin im Autismus-Spektrum. Da man es mir nicht ansieht, kommt es oft zu Missverständnissen. Ich werde als «anders» wahrgenommen und darauf reduziert, was mich verletzt.
Anstatt meine Bedürfnisse zu akzeptieren und dies nicht nur als Problem zu sehen, wird oft erwartet, dass ich mich anpasse. Dies fällt mir jedoch immer schwerer. Erst im äussersten Fall, v.a. im beruflichen Umfeld, teile ich mit, dass ich neurodivers bin, wenn die Umschreibung meiner Diagnosen nicht ausreicht.
Dani Di Biase
Ich bin seit vielen Jahren chronisch krank. Das lässt sich vielleicht mit einem Wort am besten erklären: Fehlen – bei sozialen Anlässen, im Berufsleben, in der Welt überhaupt. Fragen finde ich sehr wichtig, v.a. wenn das Interesse authentisch ist. Nur durch die Begegnung können wir ein besseres Verständnis füreinander aufbauen. Mir ist es aber auch wichtig, darüber hinaus ins Gespräch zu kommen, die Krankheit ist nur ein Teil meines Lebens und nicht meine ganze Geschichte.



