Das ist der dritte Teil der Comicserie, in der Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt über die Höhen und Tiefen ihrer zweijährigen Wohnungssuche erzählen. Teil 1 und Teil 2 können hier nachgelesen werden.

1.	Comiczeichnung von Jasmin und Valentin auf Wohnungsbesichtigung. Jasmin nutzt einen Rollstuhl. In Valentins Sprechblase steht: «Bis auf die zu schmale Badezimmertüre ist das eine echt schöne Wohnung.» Jasmin antwortet: «Ja, schade echt.» 2.	Valentin merkt an, dass es bei der Besichtigung ganz schön voll ist.
3.	Jasmin antwortet: «Ja, voll. Die Leute steigen schon wieder über mich drüber.» Eine Person, die über ihre Beine steigt, sagt: «Sorry». 4.	Bild von Jasmin und Valentin mit zornigen Gesichtern und erhobenen Fäusten. Im Schriftzug steht: «Was wir in dieser Situation gerne getan hätten.» Jasmin hat einen Molotovcocktail in ihrem Getränkehalter am Rolli.
5.	Im Schriftzug steht: «Was wir getan haben.» Im Bild lächeln die beiden ganz verkrampft und sagen zur einen Wohnungsbesuchenden: «Einfach etwas Vorsicht!» Die Antwort darauf: «Ja sorry.» 6.	Eine Person mit Brille und Dutt in der Wohnung sagt: «Gehen Sie schon? Nehmen Sie doch ein Formular.» Valentin lehnt dankend ab, da meldet sich ein älterer Mann zu Wort: «Ich nehme eines bitte.»
7.	Der ältere Mann fragt Valentin: «Haben Sie denn kein Interesse? Weil, ich suche auch rollstuhlgängig.» Valentin antwortet: «Oh… ääh weniger. Die Badezimmertür ist als einzige 60 Zentimeter breit.» 8.	Nahaufnahme des älteren Mannes mit Krücken. In den Sprechblasen steht: «Tja, ich brauch eben auch bald einen Rolli. Schade mit der Türe. Ich suche schon so lange nach einer entsprechenden Wohnung. Im Altersheim habe ich auch schon nachgefragt.»
9.	Valentin sitzt auf dem Stuhl, Jasmin im Rollstuhl dem älteren Mann gegenüber. Beide haben Wasser in den Augen. Der ältere Mann spricht weiter: «Im Altersheim haben sie mir gesagt, dass ihre Alterswohnungen auch nicht rollstuhlgängig oder barrierefrei sind. Ich will noch nicht ins Heim! Aber wohin?»

Es war nicht nur die Badezimmertür, die in dieser Wohnung nicht rollstuhlgängig war. Da gab es noch einiges mehr, das man hätte ändern müssen: Der Lift war alt und die Zimmer zu klein, als dass es für Möbel und Rollstuhl gleichzeitig genügend Platz gehabt hätte.

Doch bei der Konkurrenz um solche Wohnungen ist es fast aussichtslos, eine zu erhalten, wenn Umbauten nötig sind, um sie für alle bewohnbar zu machen. In diesen Fällen winken die Vermieter:innen oft ab – zumindest nach unseren Erfahrungen. Sie bevorzugen die Mieter:innen, die ohne grossen Aufwand und sofort einziehen können.

Diese Geschichte handelt aber in erster Linie von dem alten Mann, der uns am Schluss der Besichtigung so tief berührte. Sein Beispiel macht deutlich: Fehlende Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für ältere Menschen. Auch Senior:innen sind auf eine inklusive Gesellschaft und barrierefreie Infrastrukturen angewiesen.

 Unsere Gesellschaft unterliegt einem rasanten demografischen Wandel. Bereits im Jahr 2030 werden laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) 22 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Zusammen mit den 21 Prozent der Menschen mit Behinderung, die heute in der Schweiz leben, wird klar: Der Anteil der Personen, die auf Barrierefreiheit angewiesen ist, wächst stetig.

Wieso also ignorieren wir die Rechte dieser Menschen und drängen sie an den Rand unserer Gesellschaft? Letztendlich betreffen diese Bedürfnisse alle – wir alle werden alt.

Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung

Der angespannte Wohnungsmarkt setzt viele unter Druck, für Menschen mit Behinderungen ist er kaum zumutbar. In der Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung erzählen Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt von den Schwierigkeiten und Absurditäten, die sie bereits seit zwei Jahren erleben: Inserate, die Barrierefreiheit vortäuschen, Vermieter:innen, die vor Umbauten zurückschrecken, oder Planer:innen, die Menschen mit Behinderungen schlicht nicht mitdenken. Ihre Erfahrungen zeigen gravierende strukturelle Probleme, Diskriminierung und Ignoranz auf dem Wohnungsmarkt, aber auch Momente echter Solidarität.