Das ist der vierte Teil der Comicserie, in der Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt über die Höhen und Tiefen ihrer zweijährigen Wohnungssuche erzählen. Teil 1, Teil 2 und Teil 3 können hier nachgelesen werden.

1.	Comiczeichnung von Jasmin und Valentin auf Wohnungsbesichtigung. Jasmin nutzt einen Rollstuhl. Sie sagt sehr happy zu Valentin: «Der Aufzug hat sogar einen Spiegel.» Valentin antwortet: «Ein Spiegel ist immer super mit Rolli.» 2.	Der Immobilienmakler sagt: «Kommen Sie! Ich zeige Ihnen den Keller und den Waschraum.» Jasmin im Hintergrund ist sehr zuversichtlich. Valentin schaut eher etwas besorgt zu Jasmin.
3. Jasmin flüstert hinter verdeckter Hand zu Valentin: «Eine der besten Objekte bis jetzt.» Valentin antwortet zögerlich: «Ja schon, aber der Preis und da ist kein Platz zum Arbeiten mehr.» 4.	In der Sprechblase vom Immobilienmakler steht: «Der Waschraum. Da gibt’s eine kleine Stufe.» Im Comic ist eine riesige Stufe zu sehen. Oben sitzt Jasmin ganz klein im Rollstuhl und reisst erschrocken ihre Augen auf.
5.	Die Hand des Immobilienmaklers ist zu sehen. Er sagt: «Der Keller hat halt eine Treppe, aber in den müssen sie ja nicht unbedingt.» Jasmin kann ihren Augen kaum trauen und ist entsetzt. 6.	Jasmins Wangen sind rötlich. Peinlich berührt antwortet sie: «Also doch! Und denken sie nicht, dass ich selber bestimmen sollte, ob ich in den Keller muss?! Also dafür bezahl ich ja auch Miete.»

Diese Besichtigung schien uns zunächst tatsächlich einen Schritt näher an ein rollstuhlgängiges Zuhause zu bringen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber sie stirbt offenbar auch im Untergeschoss eines Mietshauses.

Unsere Erfahrungen zeigen immer wieder: Verwaltungen und Eigentümer:innen denken Behinderung bereits ausserhalb der Wohnungstüre nicht mehr mit. Besonders betroffen sind Gebäude, die im Laufe ihrer Lebensdauer saniert wurden. Die Verantwortlichen mögen zwar an breitere Türen, vielleicht sogar an einen Lift oder zugängliche Badezimmer denken – aber Waschküchen, Keller und andere Gemeinschaftsräume bleiben meist ausser Acht.

Dabei zählen auch diese Räume zur Infrastruktur eines Mietshauses. Man bezahlt schliesslich auch für sie Miete. Sind sie für Menschen mit Behinderung nicht zugänglich, handelt es sich nicht nur um Diskriminierung, sondern auch um eine massive Einschränkung alltäglicher Autonomie. Wir kommen nicht an unsere im Keller gelagerten Sachen, wenn wir möchten. Wir können unsere Kleider nicht waschen, wenn wir müssen. Von den vielen Luftschutzkellern, die nicht barrierefrei sind, uns aber im Notfall schützen sollten, brauchen wir gar nicht erst zu reden.                                                                                                                   

Uns ist bewusst, dass sich viele Makler:innen und Hauseigentümer:innen dieser baulichen Hürden erst dann wirklich bewusst werden, wenn sie mit einer von Behinderung betroffenen Person durch das Gebäude gehen.

Entscheidend ist jedoch, wie sie dann mit diesen Barrieren umgehen.

In unserer Geschichte hat der Makler offensichtliche Hürden nicht nur gezielt kleingeredet und verharmlost. Er machte sogleich Vorgaben  wie: «Aber in den Keller müssen sie ja nicht unbedingt.» Mit dieser Aussage hat er die Schwelle in den Keller des Ableismus bereits betreten. Sie entscheidet über den Kopf der betroffenen Person hinweg und spricht ihr ihre Selbstbestimmung ab.

Natürlich beseitigt ein respektvoller zwischenmenschlicher Umgang keine baulichen Barrieren. Aber er kann zumindest dazu beitragen, dass keine weiteren geschaffen werden – und sich das Gegenüber verstanden und wertgeschätzt fühlt.

Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung

Der angespannte Wohnungsmarkt setzt viele unter Druck, für Menschen mit Behinderungen ist er kaum zumutbar. In der Comicserie Wohnungssuche mit Behinderung erzählen Jasmin Polsini und Valentin Weilenmann alias Mynt von den Schwierigkeiten und Absurditäten, die sie bereits seit zwei Jahren erleben: Inserate, die Barrierefreiheit vortäuschen, Vermieter:innen, die vor Umbauten zurückschrecken, oder Planer:innen, die Menschen mit Behinderungen schlicht nicht mitdenken. Ihre Erfahrungen zeigen gravierende strukturelle Probleme, Diskriminierung und Ignoranz auf dem Wohnungsmarkt, aber auch Momente echter Solidarität.